Syphilis kompakt

Die Syphilis ist eine durch Bakterien verursachte und durch sexuelle Kontakte übertragene Infektions­krank­heit.

Safer Sex reduziert zwar das Risiko, senkt es aber nicht auf Null. Daher werden schwulen und bisexuellen Männern mit wechselnden Sexualpartnern jährliche Laborkontrollen auf Syphilis dringend empfohlen.

Eine Syphilis wird antibiotisch behandelt, im Regelfall mit einer Penizillininjektion.

Von eminenter Bedeutung ist die Kontrolle und gegebenenfalls Therapie aller Sexualpartner.

Eine Syphilis führt zu keiner dauerhaften Immunität, wiederholte Infektionen sind daher möglich.

Eine nicht erkannte und unbehandelte Syphilis kann zu ernsten Komplikationen oder nach jahrzehntelangem Verlauf sogar zum Tod führen.

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Syphilis Facts

Inhalt
Geschichte
Definition
Häufigkeit
Übertragung
Symptome
Diagnose
Therapie
Prävention
Geschlechtskrankheiten

Synonyme: Lues (venerea oder aphrodisiaca), Lustseuche, Harter Schanker, Franzosenkrankheit, neapolitanische, italienische, spanische, kastillische, englische, schottische oder polnische Krankheit

Geschichte

Syphilis ist eine bereits seit Jahrhunderten bekannte sexuell übertragbare Krankheit. Die erste Epidemie ist bereits im Jahre 1495 ausgehend von Neapel, wo sie vermutlich von Seeleuten aus der „neuen Welt“ eingeschleppt wurde, beschrieben. Bis zu diesem Zeitpunkt sind Syphilisinfektionen weder historisch belegt noch archäologisch (die Syphilis kann zu Skelettschäden führen) nachweisbar. Herumziehende Söldnertruppen verbreiteten diese Infektionskrankheit rasch in ganz Europa, Seefahrer sorgten für eine Weiterverbreitung bis nach Indien, Japan und China.

Geschichte Geschichte des Syphilius, Stich aus dem 16. Jh.
Quelle: Wikipedia

Die Syphilis wird seit jeher wie kaum eine andere Erkrankung moralisch bewertet. In vergangenen Zeiten wurde sie (wie auch heute von Ewiggestrigen die HIV-Infektion) als „Strafe Gottes“ bezeichnet. Die Syphilis war in der Vergangenheit wesentlich aggressiver und mangels effektiver Medikamente eine schicksalhaft oft tödlich verlaufende Erkrankung, bei der Phasen scheinbarer Gesundheit und Rückfälle auftraten. Ein Syphilisinfektion war für die Menschen eine persönliche Katastrophe, die zu Siechtum, Wahnsinn und oft auch zum Tode, jedenfalls aber ins soziale Abseits führte.

Berühmte Syphilispatienten: Heinrich Heine, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Heinrich VIII von Frankreich, Johann Wolfgang von Goethe, Franz Schubert, zahlreiche Habsburger, Friedrich Nietzsche und last but not least Papst Julius II, der Erbauer des Petersdoms, der die Erkrankung über „faule Luft“ bekommen haben soll.

Definition

Treponema Pallidum Treponema pallidum
Quelle: Wikipedia, PHIL-1971

Die Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit (STD, sexually transmitted disease) die durch Bakterien (Treponema pallidum, lat. „bleicher Drehfaden“, „Spiralen des Todes“) verursacht wird. Die Syphilis verläuft stadienhaft, beschwerdefreie und symptomatische Phasen wechseln einander über Jahre ab. Auf Grund der zahlreichen unterschiedlichen Symptome, die andere (Haut)Erkrankungen imitieren können, wird die Syphilis im englischen Sprachraum auch als „the great imitator“ bezeichnet.

Häufigkeit

Die Syphilis ist eine weltweit verbreitete Krankheit. Die WHO schätzt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen auf 12 Millionen. In den Industrieländern liegen die Infektionsschwerpunkte in den Grossstädten, und hier wieder besonders bei homo- und bisexuellen promisken Männern (MSM, Men who have Sex with Men). Der Anteil der Männer ist daher von 60% in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf mehr als 85% im Jahr 2005 gestiegen.

Statistik Syphilis in Zahlen

Übertragung

Die Bakterien werden in der Regel über sexuelle Kontakte, wie Vaginal, Anal- und Oralverkehr, aber auch durch intensives Küssen, übertragen. Sie dringen dabei über auch kleinste unsichtbare Verletzungen der genitalen, oralen oder analen Schleimhaut oder Haut in den Körper ein. Die in den letzten Jahren explosionsartig zunehmende Infektionsrate unter den schwulen Männern ist unter anderem auf die teilweise hohe Promiskuität und Reisefreudigkeit sowie auf Änderungen im Risikoverhalten zurückzuführen. Dazu kommt, dass bestimmte Sexualpraktiken praktisch „safe“ in Bezug auf eine HIV-Übertragung sind (zum Beispiel der Oralverkehr ohne Ejakulation) allerdings trotzdem sehr leicht zu einer Syphilis-Infektion führen können.

Symptome, Anzeichen

Primaerphase Primärphase
Quelle: Praxis Dr. Schalk

Primärphase

Nach einer Inkubationsphase (Zeit zwischen Infektion und ersten Beschwerden) von ungefähr 3 Wochen kann es zum so genannten Primärkomplex kommen: dieser besteht aus einem meist schmerzlosen Schleimhautdefekt am Infektionsort (Geschwür, Ulcus) und einem Anschwellen der benachbarten Lymphknoten (zum Beispiel in der Leiste bei einer genitalen Infektion). Nach 3-6 Wochen heilen diese Schleimhautdefekte auch ohne Behandlung folgenlos ab.


Sekundärphase

Nach einer verschieden langen (meist einige Wochen) beschwerdefreien Phase können nun ein Ausschlag und Schleimhautveränderungen im Mund- und Genitalbereich auftreten. Der aus zahlreichen meist dunkelroten nicht juckenden Flecken bestehende Ausschlag konzentriert sich oft auf Brust, Bauch und Rücken. Es können aber auch ähnliche Veränderungen an Handflächen und/oder Fusssohlen auftreten. Immer wieder sind diese Veränderungen so diskret, dass sie auch übersehen werden.

Sekundärphase Sekundärphase
Quelle: Praxis Dr. Schalk

In der Folge können in manchen Fällen auch Fieber, Lymphknotenschwellungen, Halsschmerzen, Haarausfall und Muskelschmerzen auftreten. Auch diese Symptome verschwinden, wie die der Primärphase, auch ohne Therapie wieder. In der Folge geht die Syphilis unbehandelt in die Latenzphase über.


Spät/Latenzphase

Nach dem Verschwinden der Symptome der Primär- und Sekundärphase beginnt die Latenzphase, die Jahre dauern kann. In dieser Phase kommt es zur Zerstörung von inneren Organen wie Herz, Leber, Blutgefässen, Knochen und Gelenken sowie des Gehirns und des Rückenmarkes. Die daraus resultierenden Beschwerden hängen vom Schwerpunkt der Gewebszerstörung ab. Koordinationsstörungen, Lähmungen, Erblindung und Herzversagen können nach Jahren und Jahrzehnten sogar zum Tod führen.

Diagnose

Diagnose

Eine Syphilisinfektion kann relativ einfach mittels eines Bluttests, der im Regelfall spätestens 3 Wochen nach erfolgter Infektion aussagekräftig ist, nachgewiesen werden. Auch ein direkter mikroskopischer Erregernachweis ist möglich, wird allerdings heute nur mehr selten durchgeführt.

Tipp: Bei Routinevorsorgeuntersuchungen wird meist der Syphilistest nicht „automatisch“ mitgemacht. Schwulen und bisexuellen Männern mit wechselnden Sexualpartnern (MSM, Men who have Sex with Men) wird eine jährliche Syphiliskontrolle gemeinsam mit dem HIV-Antikörpertest dringend empfohlen.

Therapie

Therapie

Eine Syphilis ist umso einfacher zu behandeln, je früher sie erkannt wird. In der frühen Phase reicht eine intramuskuläre Penizillineinzeldosis aus. Bei einer fortgeschrittenen Infektion, bei HIV-positiven Patienten allerdings auch in Frühphase, werden 3 Injektionen im Wochenabstand verabreicht. Bei einer Penizillinallergie stehen auch alternative Antibiotika, die allerdings mehrmals täglich über mehrere Wochen eingenommen werden müssen, zur Verfügung. Nach Abschluss der Behandlung sind Laborkontrollen zur Abklärung des Therapieerfolges erforderlich.

Die Behandlung einer Syphilis gehört unbedingt in die Hände eines erfahrenen Mediziners – Hausmittel oder rezeptfreie Präparate („over-the-counter Drugs“) wären in diesem Fall fatal.

Um einer Verbreitung von Syphilis entgegenzuwirken müssen alle Sexualpartner eines Syphilispatienten ebenfalls kontrolliert und gegebenenfalls therapiert werden.

Prävention

Eine hundertprozentige Sicherheit in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten würde nur eine absolute Enthaltsamkeit oder eine monogame Beziehung, nach vorheriger Testung, garantieren.

Safer-Sex reduziert zwar das Infektionsrisiko für andere sexuell übertragbare Krankheiten deutlich, senkt es allerdings leider nicht auf Null. Daher wird empfohlen die geltenden Safer-Sex-Regeln genau einzuhalten und möglichen Infektionsrisikos regelmässig eine Syphilistestung durchführen zu lassen.

Geschlechtskrankheiten

Die Bezeichnung Geschlechtskrankheiten stammt eigentlich nicht aus dem medizinischen, sondern aus dem juristischen Bereich. Das in Österreich aus dem Jahre 1945 stammende Geschlechtskrankheitengesetz regelt den Umgang mit den 4 klassischen Geschlechtskrankheiten. Zu ihnen zählen neben der Syphilis auch der Tripper (Gonorrhoe), der weiche Schanker und das Lymphogranuloma inguinale. Diese 4 Infektionskrankheiten unterliegen einer Behandlungs- (für die Behandlung besteht ein öffentliches Interesse) bei Infektionsverdacht einer Untersuchungs- und bei Vorliegen einer Infektion einer (beschränkten, nur die Zahl wird gemeldet) Meldepflicht. Da nur diese 4 Infektionskrankheiten zu den Geschlechtskrankheiten im klassischen Sinn zählen, wesentlich mehr Erkrankungen aber durch Sexualkontakte übertragen werden können, sprechen Mediziner meist von den STD´s, den „sexually transmitted diseases“ und nicht von Geschlechtskrankheiten.